von Amir H. Yassari
Erklärende Worte zur Hors-Jeu/Ausser-Spiel-Reihe (von Eugen Pfister): Ich fange gerne Antragstexte, manchmal auch Papers mit der Erklärung an, dass digitale Spiele mittlerweile kein Randphänomen sind. Fast zwei Drittel der Bevölkerung spielen in der einen oder anderen Form regelmässig digitale Spiele. Milliardengeschäft und so weiter. Zugleich spielen aber nur wenige meiner Kolleg*innen und Freund*innen, die eben nicht gerade zu Spielen arbeiten. Das fand ich bemerkenswert und hab einige vor Kurzem gebeten mir einen Text im Format ihrer Wahl zu schreiben, in welchem Sie über Spiele nachdenken. Ganz ohne Spiele gibt es keine Biographie. Es folgt ein sehr schöner Text von meinem Schulfreund Amir Yassari. Mit ihm habe ich Stunden über Stunden Anfang der 1990er Jahre gemeinsam auf dem Computer seines Bruders Sid Meiers Pirates und The Secret of Monkey Island gespielt. Und ohne ihn hätte ich deshalb wohl nie meine Diplomarbeit über Kulturtransfer und Piraterie geschrieben:

Ich finde es interessant, einmal zurückzublicken und zu fragen, was Computer und Computerspiele eigentlich für uns waren. Nicht danach was sie heute für uns sind – allgegenwärtige Geräte, Arbeitsmittel, Kommunikations- und Unterhaltungsmaschinen –, sondern wie es sich angefühlt hat, als sie plötzlich in unser Leben kamen.
Ich muss ungefähr zehn Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal einen „richtigen“ Computer aus nächster Nähe sah. Mein älterer Bruder hatte einen Sommer in den USA verbracht und kam mit einem IBM 186 [Anm. EP: wahrscheinlich ist ein 80286 Intel Prozessor gemeint. Computer mit dem Chip wurden oft “286er” genannt.] zurück. Schon die Ankunft des Gerätes hatte etwas Exotisches. Ich erinnere mich auch daran, dass es gar nicht so einfach war, einen Elektroladen zu finden, der uns helfen konnte einen amerikanischen Stromanschluss und das österreichische Stromnetz zusammenzubringen. Heute klingt das banal. Damals verstärkte es nur den Eindruck, dass da etwas ganz Besonderes aus einer anderen Welt bei uns angekommen war.
Im Zimmer meines Bruders. (Hors Jeu/Ausser Spiel #03) weiterlesen
