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Spiele. Eine Bestandsaufnahme. (Hors Jeu/Ausser Spiel #02)

von Martin Anton Müller

Erklärende Worte zur Hors-Jeu/Ausser-Spiel-Reihe (von Eugen Pfister): Ich fange gerne Antragstexte, manchmal auch Papers mit der Erklärung an, dass digitale Spiele mittlerweile kein Randphänomen sind. Fast zwei Drittel der Bevölkerung spielen in der einen oder anderen Form regelmässig digitale Spiele. Milliardengeschäft und so weiter. Zugleich spielen aber nur wenige meiner Kolleg*innen und Freund*innen, die eben nicht gerade zu Spielen arbeiten. Das fand ich bemerkenswert und hab einige vor Kurzem gebeten mir einen Text im Format ihrer Wahl zu schreiben, in welchem Sie über Spiele nachdenken. Ganz ohne Spiele gibt es keine Biographie. Es folgt ein Text von meinem Freund Martin, denn ich schon wieder der Katharina Prager zu verdanken habe. Inspiriert von Rabelais listet er die Spiele auf, dier in seinem Leben gespielt hat:


Ich habe mir nie besonders Gedanken zum Spiel gemacht. Da ich es nun tun soll, merke ich, dass ich gar nicht so genau weiß, wovon ich rede. Deswegen möchte ich um Deine Bitte, lieber Eugen, herumkommen, indem ich statt Gedanken zu formulieren, eine Bestandsaufnahme der Spiele meines Lebens mache, an die ich mich erinnere.

Rabelais gibt im 22. Kapitel von Gargantua (1532) eine Liste der über 200 Spiele wieder, die dieser gespielt hat. Ich orientiere mich daran und verzichte auf nähere Einordnung und Erklärung mit Ausnahme von diesen: Ich bin 1977 ganz im Westen von Österreich geboren und bis ich 18 war, waren Brettspiele und Computerspiele wichtig. Das stellt Teil 1 dar. Danach folgten fünfzehn Jahre, bei denen das Spiel in den Hintergrund trat, bis auf wenige Computer- und Handyspiele und eine kurze Zeit mit einer eigenen Konsole (weil ich 3D-Spiele erlernen wollte), das ist Teil 2. Seit 2011 bin ich Vater und neue Spiele kamen dazu und manche wurden wieder ausgegraben, das ist Teil 3. Ich bemühe mich, durch Clusterung eine Orientierung zu geben. Aufgenommen werden Spiele, die mehrfach gespielt wurden. Sie werden wiederholt, wenn sie in unterschiedlichen Phasen wieder vorkommen.

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Von britischen Lords und Gmundner Keramik: Adel Verpflichtet (Autoludographie #04)

von Eugen Pfister

Meine Eltern waren keine großen Brettspieler*innen. Also gar keine. Ich kann mich eigentlich nur daran erinnern, mit ihnen ein, zwei Mal Würfelpoker und Mikado gespielt zu haben. Von ihnen kam also nicht meine frühe Faszination und Begeisterung für Brettspiele, sondern von meiner Großmutter – Herlinde Pfister Oswald, einer ausgebildeten Psychologin – , die mich seit meinem neunten Geburtstag regelmässig für einige Jahre mit Brettspielen versorgte, die wir dann zu zweit spielten. 1990 bekam ich von ihr “Adel Verpflichtet” zu Weihnachten geschenkt, “Das Große Bluffspiel um Diebe, Lords und Pfeifenköpfe” von Klaus Teuber, das im selben Jahr im F.X. Schmidt Verlag erschienen war. Ich weiss noch, dass ich mir das Spiel explizit gewünscht hatte, weil ich in der Spielebox noch eine Rezension aus dem Standard, vom 14.10.1990 aufgehoben hatte:

“In ‘Adel Verpflichtet” bemühen sich einige Lords, ganz besonders ‘in’ zu sein. Sie haben sich vorgenommen die verrücktesten und merkwürdigsten Sammelobjekte zusammenzutragen, die sie nur auftreiben können.”

Zur Spielmechanik liest man in derselben Rezension:

“Der besondere Reiz des Spiels liegt aber vor allem in der Vermischung von Taktik und Bluff. Denn jede Runde wird von den Spielern gleichzeitig entschieden, ob sie ein Stück ersteigern wollen oder aber ausstellen.”

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