Ein nicht zu übersehender Bestandteil von Casual Games, insbesondere wenn sie vermeintlich ‚free-to-play‘ sind, ist die Werbung. Und diese ist, wie das auch bis zu einem gewissen Grad allgemein für Casual Games gilt, in den Game Studies fast nicht untersucht worden.
Im Folgenden werde ich deshalb einführend Grundtypen der Werbung in Casual Games skizzieren. Dazu werde ich erstens phänomenologisch bestimmen, wie sich der jeweilige Werbetypus im Spiel darstellt, wie Werbung zweitens im Spiel ausgelöst wird und dies drittens mit möglichen Analyseperspektiven verknüpfen.
Im Anschluss daran werde ich viertens (wenn auch nicht erschöpfend) auf Ursachen der Betriebsblindheit der Game Studies gegenüber der Werbung in Spielen eingehen und dabei auch auf damit einhergehende methodische Probleme verweisen.
Ein Genre bei Casual Games sind sogenannte Idle (oder Incremental) Games, also solche Spiele, die quasi auf endlose Progression und Anhäufung von Ressourcen ausgelegt sind. Hier wiederum sind Aufbausimulationen als Untervariante in unzähligen Varianten zu finden, oftmals handelt es sich um quasi identische Spiele mit den gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Spielmechaniken.Oft wurden lediglich die Skins und zentrale Begriffe ausgetauscht. Darin ähneln sich Casual Games in verblüffender Weise Spielen der 1980er Jahre, auch hier wurden oft erfolgreiche Spielmechaniken, und ganze Codes kopiert und bei ihren Klonen lediglich durch leicht veränderte Figuren, Farben, Sprites etc. variiert – man denke hier nur an unzähliche Arkanoid- oder Breakout-Klone wie Ball Raider. Im Fall des hier vorgestellten Spieles Flop House bin ich darauf gestoßen, als ich einen ebensolchen Klon spielte, Airport Idle (SekGames 2025) und hier – ebenfalls genretypisch – aggressiv Werbung für Flop House gemacht wurde.
Handyspiele. Jede*r kennt sie und fast alle unter uns haben schon mal welche gespielt. Sie sind in ihrem beiläufigen Gespieltwerden näher verwandt zu den frühen Computerspielen der Prä-3D-Ära der 1980er und 1990er Jahre als zu heutigen AAA-Titeln und sie gelten in gewisser Weise beinahe anrüchig als Junkfood der Spielebranche. Und wie die großen Schnellrestaurant-Ketten werfen sie die größten Gewinne der Spielindustrie ab.
“Ein großer Teil des Umsatzes mit Games in Deutschland entfiel 2024 auf Spiele-Apps für Smartphone und Tablet. Dabei stieg der Umsatz mit Mobile Games hierzulande erstmals auf 3 Milliarden Euro. […] Mit Games für Spielekonsolen wurden rund 1,9 Milliarden Euro erzielt. Den drittgrößten Umsatz mit rund 1,5 Milliarden Euro erzielen Games für den PC.” (game 2025, 19)
Gleichzeitig sind sie aus medienkulturwissenschaftlicher, ideen- und medienhistorischer Sicht so gut wie unerforscht. Ihre politische, kulturelle und soziale Medienwirkung, überhaupt der ideologische Kosmos ihrer Inhalte und Spieldesigns ist akademisches Brachland. Im Folgenden möchte ich genau dazu eine Tür aufstoßen und zunächst einmal anhand der Begriffe “Mobile Games”, “Casual Games” und “Hyper Casual Games” definieren, was wir mit “Handygames” (die alle genannten Spieltypen inkludieren) meinen. In einem zweiten Schritt möchte ich skizzieren, inwiefern sich die Analyse von Handyspielen von der Analyse von Konsolen- oder PC-Spielen unterscheiden könnten.
Mit etwas Verzögerung wollen wir auf unseren neuen gemeinsamen Forschungs-Podcast namens “Kritische Controller” hinweisen, dessen erste Folge am 01.07.2024 hier erschienen ist: https://letscast.fm/sites/kritische-controller-f43d2fb6.